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Eine Milliarde Minischritte

Hey Du,

 

ich hoffe, dir geht es gut und diese Zeilen treffen dich in einem entspannten Moment.

 

Ich empfinde das Leben im Moment als sehr herausfordernd, all das, was in der Welt passiert: die Unsicherheiten, die Überflutung an Informationen, das Drama, die Fassungslosigkeit, die Kämpfe. Man könnte dazu neigen, sich komplett abzuschotten, zuzuzumachen, wegzuschauen. Aber mir stellt sich die Frage, was uns wirklich helfen könnte. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass wir uns diese Welt und diese Zeit jetzt teilen, dass wir zusammen hier sind und diese menschliche Erfahrung machen. Und deshalb glaube ich, dass wir alle ausnahmslos gebraucht werden. In voller Größe, mit voller Aufmerksamkeit und vor allem mit vollem Mitgefühl – uns selbst und allen anderen gegenüber.

 

Für mich geht es im Moment weniger darum, einen „kühlen Kopf“ zu behalten – im Land der Dichter und Denker sind unsere Köpfe sowieso schon meist sehr groß und aktiv –, sondern eher darum, für ein stabiles Nervensystem zu sorgen und uns gegenseitig zu unterstützen. Der Weg, berührbar zu sein und sich gleichzeitig nicht das Herz brechen zu lassen, ist sehr schmal. Doch meiner Empfindung nach geht es genau darum.

 

Es gibt ein Mantra, das mich jedes Mal zutiefst berührt und zugleich zutiefst herausfordert: „Lokah Samastah Sukhino Bhavantu“. Es heißt übersetzt so viel wie: „Möge jeder Mensch, jedes Tier und jedes Lebewesen frei und glücklich sein. Und möge jeder meiner Gedanken, Worte und Handlungen zu diesem Glück und zu dieser Freiheit beitragen.“ Und nein, das soll kein Glückskeks-Spruch oder spiritueller Glitzer sein oder wieder Druck aufbauen, sondern dich einladen, dir zuerst ganz ehrlich selbst zu begegnen und dich zu fragen: Was lässt dich aufrichtig glücklich und frei sein? Vielleicht nur für jetzt, für diesen Moment. Was lässt dein Nervensystem für einen Augenblick herunterfahren? Was braucht es im Moment? Auch wenn die letzte Woche möglicherweise fürchterlich war, kannst du heute Abend trotzdem in den Spiegel schauen und sagen: „Ich habe in den letzten Tagen alles gegeben, und auch wenn ich im Moment nicht weiterweiß, liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin.“

 

Ich bin der Überzeugung, dass deine aufrichtige Freiheit und dein wahrhaftiges Glück auch andere frei und glücklich sein lassen, dass das Mitgefühl dir gegenüber zu Mitgefühl anderen Menschen, Tieren und Pflanzen gegenüber führt. Und dann lass uns schauen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Vielleicht kannst du eine Patenschaft für ein Kind oder ein Tier übernehmen, vielleicht hast du eine Gabe oder Expertise, die anderen hilft, vielleicht ist das Buch, an dem du derzeit schreibst, der Schlüssel, vielleicht ist es eine extra Portion Kuchen für dich und dein Kind, vielleicht wirst du das nächste Mal laut, wenn andere leise gemacht werden, vielleicht ist es die Entschuldigung, obwohl dein Ego noch Recht haben will, vielleicht ist es ein kühner Post, eine mutige Unterschrift für eine Petition.

 

Das lässt mich zu dem Schluss kommen, dass wir es zusammen mit einer Milliarde Minischritten schaffen können, diese Welt zu einem Ort zu machen, an dem es sich für uns alle zu leben lohnt.

 

Diese Zeilen sind heute aus mir herausgeflossen, weil ich mir, dir und uns vor allem eines zusprechen möchte: Wir sind nicht allein, wir sind zusammen hier. Lass uns diese eine Milliarde Minischritte gehen!

Liebe geht raus!


 
 
 

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